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Donnerstag, 19. Mai 2011

Gesinne

Am meisten vermisse ich den Sinn beim Reden über den Sinn. Welch haltloses Geplappere ist das doch meistens, wenn Menschen vom Sinn sprechen, gar vom Sinn des Lebens. Man könnte dies Gerede als unsinnig bezeichnen, würde man nicht durch solche Wortwahl die Möglichkeit dessen einräumen, was im allgemeinen als Sinn bezeichnet wird. Tatsächlich könnte auch der Unsinn der wahre Sinn sein. Ja, "wahrer Sinn" – die bizarre Exotik der Sprache auf ihrem Höhepunkt. Ich bin mehr für sprachliche Erotik, etwa: das Rätsel des Seins oder die kryptischen Gestalten des Seienden.

Falscher Takt

Den Taktstock schwingend
in fremden Takten springend
hüpfelt er durchs Tal

Taktvoll im äußeren Takt
innerlich ungetaktet

Faule Südländer

Es ist ja nicht die Mär das eigentlich Schlimme, daß Griechen, Portugiesen und Spanier kurz nach der Berufsausbildung in Rente gingen, wie jetzt wieder behauptet wird von der beleibten Dame mit den farblich wechselnden, aber stilistisch immergleichen geschmacklosen Kostumjäckchen, bei denen man Angst um die Verankerung der Knöpfe haben muß, auch der Mythos, Südländer hätten kürzere Arbeitszeiten und aalten sich länger im Urlaub, ist nichts weiter als Neid aufs angenehmere Klima, gemütlicheres Ambiente und lockerere Lebensformen.

Diese ganze wirklichkeitsfremde Lügenlitanei ist nicht sonderlich schlimm, schlimm ist, daß das Bildungswesen und die politische Information in unserem Land derart heruntergekommen sind, daß so viele den Unsinn von den faulen Südländern und den fleißigen Deutschen glauben.

Merke, Merkel, die Finanzprobleme in einigen Ländern der EG haben wenig mit faulen Menschen zu tun, sondern viel mehr mit faulen politischen Verhältnissen, Korruption und verfaulenden Oberschichten, gierigen Banken und dem Kalkül von Spekulanten.
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Montag, 16. Mai 2011

Wahre Wahrheit

"Die Wahrheit muss erlaubt sein." Das klingt ganz toll; die Frage ist nur: wessen Wahrheit? Das Schlimme ist: Ein jeder glaubt, seine Interpretation der politischen – und jeder anderen – Wirklichkeit sei wahr, und die des Widersprechenden entspreche nicht der "Wahrheit". Solange jemand glaubt, die "Wahrheit" in seinem Besitz zu haben, läuft etwas falsch, ganz egal ob am rechten Wegrand oder am linken. Es gibt Fakten, über die man diskutieren kann, und zwar kontrovers oder nichtkontrovers – "Wahrheit" aber gibt es nur in den Träumen von Vereinfachern.

Jakob Augstein

Mittwoch, 11. Mai 2011

Tugend als Last und Laster

Bisweilen sieht man, daß ein allzu heftiges Streben nach Tugend, wenn es zur Gewohnheit, zum inneren Zwang wird, sich für den Betroffenen nicht nur zur Last wandeln kann, sondern einem Außenstehenden auch den Eindruck vermittelt, er habe es mit etwas zu tun, das dem Charakter eines Lasters nicht unähnlich zu sein scheine.

Manche freilich

Unter der Hofmannsthalschen Überschrift "Manche freilich müssen drunten sterben" schrieb Walter Boehlich, ein Kritiker in des Wortes eigentlicher Bedeutung, wie er es gern und so manches Mal selbst nicht ganz frei von Fehlern tat, von den "sinnentstellenden Fehlern" anderer (1972 in der ZEIT). So sei in der Anthologie "Lesebuch" das Wort "Kriegslastern" in Hesses "O Freunde nicht diese Töne" fälschlich mit "Kriegslasten" wiedergegeben worden. Hesse hatte in dem NZZ-Aufsatz unter dem Beethoven-Zitat von "Kriegstugenden und Kriegslasten" geschrieben. Wer nun, wie Boehlich, dichotomisch denkt und Tugend und Laster als zwei Seiten einer Medaille betrachtet, der könnte vermuten, Hesse selbst habe ursprünglich "Laster" geschrieben und nicht "Lasten". Hat er aber nicht, jedenfalls wenn man der Werkausgabe folgt. Boehlich hätte das nachprüfen und eine möglicherweise ironische Wortwahl Hesses in Betracht ziehen müssen, bevor er von "sinnentstellenden Fehlern" sprach. Aber manchen freilich werden wohl auch die kritischen Tugenden bisweilen zur Last.

Deutsche Sprache

Im allgemeinen interessieren sich die Deutschen recht ordentlich für Sprache, von der Sprache der Technik über die Sprache des Sports bis zu den Sprachen der Länder, die man zum Zweck der Hautfärbung aufsucht. Die Beschäftigung mit der eigenen Sprache jedoch überläßt der Durchschnittsdeutsche weitgehend den Redakteuren beim Duden, die Grimms kennt man nur als Märchenerzähler und den Paul als Papst. Ob das der Sprache guttut, weiß ich nicht so recht.

Freitag, 6. Mai 2011

Großzügigkeit mal anders

Manche Menschen kratzen für sich selbst hemmungslos den Belag von allen Brötchen, die ihnen in die Finger kommen, und halten sich zudem für vorbildlich großzügig, wenn sie den andern mit großer Verzichtsgeste die geplünderten Reste überlassen, statt sie in den Müll zu werfen.

Kampfspiel

Der Dialog zwischen Frage und Antwort ist weniger ein Spiel, sondern vielmehr ein Kampf, ein Kampfspiel.